Pessimismus hat in Oberwesel keinen Platz mehr – Unternehmergespräch vor Ort des Regionalrats Wirtschaft im Kulturhaus
Der Regionalrat Wirtschaft Rhein-Hunsrück e. V. setzte seine erfolgreiche Veranstaltungsreihe „Unternehmergespräch vor Ort“ im Kulturhaus in Oberwesel fort. Rund 75 Teilnehmer richteten bei einer Podiumsdiskussion ihr Augenmerk auf die wirtschaftliche Entwicklung in der Verbandsgemeinde St. Goar-Oberwesel.
Imke Senst, seit Jahresbeginn neue Stadtmanagerin in Oberwesel, stellte sich und ihr Aufgabengebiet vor. Als wichtige anstehende Projekte nannte sie ein aktives Leerstandmanagement und eine weitere Förderung des Wochenmarktes. Dass der Standort St. Goar-Oberwesel, wie auch das gesamte Mittelrheintal, über enormes Potenzial , insbesondere im Tourismus, verfügt, verdeutlichte anschließend Guido Hönig von der Romantischer Rhein Tourismus GmbH. Um dieses Potenzial stärker zu nutzen, empfahl er beispielsweise, die Öffnungszeiten der Touristinformationen, gerade an Wochenenden, ebenso auszudehnen wie die täglichen Fährzeiten. Verbandsbürgermeister Thomas Bungert, einer der zehn auf dem Podium Versammelten, griff dies direkt auf, forderte aber zusätzlich die baldige Umsetzung der Brückenlösung als für beide Rheinseiten eminent wichtige Verkehrsanlage.
Dass man gerade in Oberwesel nach vorne schaut und Probleme aktiv angehen möchte, machte Stadtbürgermeister Jürgen Port klar: „Pessimismus hat in Oberwesel keinen Platz mehr!“ Die Einstellung einer Stadtmanagerin ist dabei ein bedeutsamer Baustein. Für einen pessimistischen Blick in die Zukunft besteht aus Sicht von Landrat Bertram Fleck auch gar kein Grund, wird doch, so seine Erfahrungen aus internationalen Diskussionen zum Welterbestatus, das Mittelrheintal in einem Atemzug mit den Pyramiden von Gizeh, der Serengeti oder der Chinesischen Mauer genannt. Dabei hat er auch erfahren, dass immer mehr Touristen ganz gezielt ein Welterbe nach dem anderen aufsuchen.
Überhaupt, so der Landrat, sei seit einigen Jahren ein wesentlich stärkeres Miteinander zwischen den Orten am Rhein, auch über den Strom hinweg, entstanden, wofür er als Beispiel die „Welterbegastgeber“ nannte, die weit über den eigenen Tellerrand hinausblicken und Empfehlungen auch für andere Betriebe abgeben. Dass gemeinsame Aktivitäten stets mehr Aussicht auf Erfolg haben, vertrat Eberhard Noll von der IHK Koblenz. Er ist sich sicher, dass die Form der Diskussion und Zusammenarbeit beim Thema Bahnlärm so früher nicht denkbar gewesen sei: „Beide Rheinseiten ziehen hier an einem Strang!“
Das Unternehmergespräch, das vom Vorsitzenden des Regionalrates, László Gilányi moderiert wurde, bindet nicht nur die Podiumsteilnehmer, sondern gerade auch das Publikum ein.
Ein Problem, das viele gastronomische Betriebe Jahr für Jahr beschäftigt, ist das der Saisonarbeitskräfte. Im Winter stellt sich stets die Frage, ob man qualifizierte Mitarbeiter entlässt oder, teils bei sehr geringer Auslastung, weiter beschäftigt. Von der Arbeitsverwaltung forderte Trudel Weiler flexiblere Möglichkeiten für die Unternehmen, damit die guten Arbeitskräfte nicht in fachfremde Bereiche abwandern, wichtig gerade vor dem Hintergrund des wachsenden Qualitätsbewusstseins der Urlauber. Andrea Detemple von der Agentur für Arbeit Koblenz, verwies auf gesetzliche Regelungen, an die sich die Agentur zu halten habe, auch wenn die Problematik sehr wohl bewusst sei. Zufrieden war Frau Weiler damit nicht, weil sie von Betrieben in anderen Agenturbezirken weiß, dass man dort flexiblere Lösungen anwendet und auch die besonderen Bedürfnisse der Gastronomie stärker im Auge hat.
Eine Lösung wäre natürlich eine Verlängerung der Urlaubssaison am Mittelrhein, was auch als konkretes Ziel von Thomas Bungert genannt wurde. Im nach wie vor ungelösten Problem des Bahnlärms sieht Heinrich Hütte, Hausherr des Kulturhauses, das Hauptproblem für längere Verweildauern. Landrat Fleck unterstützte dies und brachte den Vorschlag von nach Lärmverursachung gestaffelten Trassenpreisen ins Gespräch. Die Planung einer Alternativstrecke ist für Bungert, der im Kampf gegen den Lärm und im Umgang mit der Bahn einschlägige Erfahrungen gesammelt hat, unbedingt zeitnah anzugehen, auch und gerade weil ihm bewusst ist, dass bis zu einer Realsierung Jahrzehnte vergehen werden.
Inwieweit die bestehende „Rheingoldstraße“ noch eine Rolle in der regionalen Tourismusstrategie spielt, wollte Claus Düker wissen. Außer einer wöchentlichen Rundfahrt entlang dieser Straße in einem Historischen Bus fließt die Rheingoldstraße nicht weiter in aktuelle Projekte ein, so die Antwort von Bürgermeister Port.
Mit zunehmenden Leerständen haben viele Innenstädte sehr zu kämpfen. Diese in Oberwesel, wie auch an anderen Standorten im Kreis, zu erfassen und möglichst zu beseitigen, ist ein gemeinsames Ziel. Aus Sicht von Wolfgang Nass, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse, wären Vorzeigeprojekte in der Region sehr wichtig, die Möglichkeiten aufzeigen, wie ältere Immobilien wieder an moderne Ansprüche angepasst werden können. In jedem Fall, so Nass, müsse frühzeitig von privater Seite investiert werden, um zum einen den Wert der Häuser zu erhalten, zum anderen aber auch die eigene Lebensqualität zu erhalten. Als Partner stehen die Sparkasse ebenso wie die von Christoph Neubauer auf dem Podium vertretenen Volks- und Raiffeisenbanken zur Verfügung. Von Investitionen in die Gebäude, gerade im Bereich der Energieeffizienz, würde zuletzt auch das regionale Handwerk profitieren, das an diesem Abend von Helmut Weiler von der Kreishandwerkerschaft Mittelrhein repräsentiert wurde.
Nach der intensiven Diskussion, die bei einem Glas Rheinwein ausklang, überlegt der Regionalrat bereits, wo das nächste Unternehmergespräch vor Ort stattfinden soll.

zurück zur Übersicht